++ [weitere Artikel zu GENTECHNIK] ++

08.06.2004

Pirmasens: Gentechnik auf Feldern Geteilte Meinungen bei Landwirten

PIRMASENS/ZWEIBRÜCKEN: Erklärung in Vorbereitung: Landwirte verzichten für ein Jahr auf Gentechnik - Erste gentechnikfreie Zone in Südwestpfalz

Am kommenden Samstag wird in der Südwestpfalz die erste ¸¸gentechnikfreie Zone" ausgewiesen. Innerhalb des Bauernverbandes Pirmasens-Zweibrücken laufen sogar Bestrebungen, den gesamten Landkreis sowie die Städte Pirmasens und Zweibrücken als Sperrgebiet für gentechnisch veränderte Organismen auf Äckern auszuweisen.

Der in Sachen Ökolandbau einst als Pionier tätige Landwirt Manfred Nafziger vom Wahlbacherhof bei Contwig will als erster die Schilder ¸¸Gentechnikfreie Zone" rund um seinen Hof aufstellen. ¸¸Bioland"-Betriebe wie seiner seien ohnehin verpflichtet genfrei zu arbeiten, erläutert der Öko-Landwirt. Am besten wäre es allerdings, ganz Rheinland-Pfalz und das Saarland als genfreies Gebiet auszuweisen, fordert Nafziger. Dies sei jedoch schwer umzusetzen. Schon allein in der Südwestpfalz dürfte es nach seiner Einschätzung schwierig werden, da ein Teil der Landwirte nicht mitmachen wolle, um sich die Möglichkeit offen zu halten, bei einem Erfolg von gentechnisch verändertem Mais oder Raps schnell auf das neue, eventuell ertragreichere Saatgut umzusteigen und dadurch ökonomische Vorteile zu erzielen.

Am vergangenen Dienstag wurde das Thema ¸¸gentechnikfreie Zone" auch im Vorstand des Bauernverbandes Pirmasens-Zweibrücken diskutieret, wie dessen Kreisvorsitzender Claus Lehmann vom Heidelbingerhof bei Contwig bestätigt. Die Hälfte der Mitglieder sei dafür, die Hälfte dagegen, schätzt der Bauernverbands-Vorsitzende. ¸¸Die wollen frei sein", erläutert Lehmann die Gründe der Gegner einer Zone in der gesamten Südwestpfalz. Im Vorstand habe man sich schließlich geeinigt, ein Formular zu erstellen, mit dem sich der Landwirt verpflichtend bereit erklären kann, ein Jahr lang auf den Anbau gentechnisch veränderter Organismen zu verzichten. Den relativ kurzen Zeitraum von einem Jahr erklärt Lehmann mit dem Wunsch vieler Landwirte, sich doch noch eine Tür offen zu halten, falls die Gentechnik auf europäischen Äckern ein Erfolg wird. Eine über mehrere Jahre gehende Verpflichtung sei kaum von allen Landwirten der Südwestpfalz zu erhalten. Lehmann kann beide Seiten verstehen. Die einen wollten den Fortschritt nicht verpassen, während die Genmanipulations-Gegner Angst vor einer Abhängigkeit von den Herstellern des Saatguts hätten.

¸¸Es macht nur Sinn, wenn alle mitmachen", betont der Bauernverbands-Vorsitzende und verweist auf die Bienen, die gentechnisch veränderte Organismen bis zu 20 Kilometer weit durch das Land transportieren werden, wenn das erste Feld mit Gen-Mais oder Gen-Raps auf einem Hügel der Südwestpfalz angebaut würde.

Momentan habe noch kein einziger Landwirt gentechnisch veränderte Organismen auf seinem Acker stehen, versichert Lehmann. Das Saatgut sei noch nicht zugelassen. Allerdings ist die Gentechnik längst über die USA und Südamerika in südwestpfälzischen Ställen angekommen. Importiertes Sojaschrot aus Übersee für das Futter von Schweinen und Rindern enthalte schon gentechnisch veränderte Organismen. ¸¸Das wäre ohnehin ein Widerspruch zur gentechnikfreien Zone", gibt Lehmann zu bedenken. Allerdings auch beim Importfutter seien Alternativen möglich. Brasilianischen Sojaschrot sei teilweise gentechnikfrei zu bekommen, erläutert der Bauernverbands-Vorsitzende.

Für den Maschinen- und Betriebshilfering (MBR) Südwestpfalz-Kaiserslautern, einer Betriebshilfeorganisation der Landwirte, will der hiesige MBR-Vorsitzende Kurt Müller eine Regelung für eine größere gentechnikfreie Zone erreichen. Auf jeden Fall für einzelne Orte oder ganze Landkreise müsste es möglich sein, meint Müller, der aber auch die unterschiedlichen Meinungen im Bauernverband kennt.

Für Müller steht außer Frage, dass die Aktion von Bioland unterstützt werden müsse. ¸¸Man soll die Züchterei nicht übertreiben. Wenn ich Gentechnik aussäe, habe ich das nicht mehr in der Hand, bin abhängig von der Industrie und der Sklave der Saatgutproduzenten", begründet der MBR-Vorsitzende seine Initiative. Der Landwirt erkennt in der Gentechnik immer noch zu viele Ungereimtheiten. ¸¸Das ist nicht Landwirtschaft, wie ich sie mir vorstelle. Man darf nicht zuviel in die Natur eingreifen."

Aber auch, wenn sich die Landwirte der Region einig wären, sieht sein Kollege Lehmann vom Bauernverband kaum Chancen, den Vormarsch gentechnisch veränderter Organismen aufzuhalten. Dem stimmt der Bio-Landwirt Nafziger bedauernd zu: ¸¸Langfristig ist das schlecht aufzuhalten. Der Raps fliegt weit."

Quelle:
Verlag: Rheinpfalz Verlag GmbH & Co. KG
Publikation: Pirmasenser Rundschau
Ausgabe: Nr.128
Datum: Freitag, den 04. Juni 2004
Seite: Nr.18


Falls Sie Fragen haben, einfach anrufen. 

Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz

oder senden Sie uns ein E-Mail: [email protected]

++ [weitere Artikel zu GENTECHNIK] ++ [OBEN] ++