++ [HOME] ++ [AKTUELL] ++ [THEMEN] ++ [Artikel zu Globalisierung und Friedenspolitik] ++
07.04.03
Krieg ist immer eine Niederlage für die Menschheit
Die Friedensdemonstration
mit Menschenkette und "Die-in" am Samstag in der Innenstadt nimmt
einen friedlichen Verlauf
An die tausend Menschen nahmen nach Angaben der Veranstalter -
Friedensinitiative Südpfalz und Regionalgruppe Landau der Bewegung Attac - am Samstag
vor der Stiftskirche an einer Friedensdemonstration teil und protestierten mit
Reden, Plakaten und Transparenten gegen den Krieg im Irak. Die damit verbundene
Menschenkette in der Marktstraße reichte vom Obertorplatz bis zum Rathaus. Beim
so genannten "Die-in" legten sich einige Dutzend Leute drei Minuten
auf den kalten und holprigen Boden.
Die Demo nahm einen friedlichen Verlauf. Die Polizei (sie
gab in ihrem gestrigen Pressebericht die Teilnehmerzahl mit circa 350 an), die
sich dezent am Rande aufhielt, hatte keinerlei Arbeit. Unter den Teilnehmern
waren erneut - wie schon bei der Veranstaltung an gleicher Stelle am 15.
Februar - viele Jugendliche.
Junge und Alte hielten Plakate in die Höhe und brachten zum Ausdruck, wie
empört sie sind, dass es zu diesem Krieg im Irak gekommen ist. Ein paar
Beispiele:
"Wie viele Kinder darf man töten, um einen Diktator zu
stürzen?" - "Iraks Kinder zahlen die Zeche für Bushs
Imperialtourismus" - "Heute Streubomben, morgen Bomben aus
Ramstein" - "Der Tod kommt aus Ramstein" - "Krieg ist immer
eine Niederlage für die Menschheit" - "Wählen Sie, Mr. Bush:
Todesstrafe in Texas oder lebenslänglich in Den Haag".
22 Gruppen unterstützten die Friedensdemonstration (Losung: "Stoppt den
Krieg im Irak"), zehn von ihnen schickten Redner ans Mikrofon. Sie
artikulierten jeweils in wenigen Minuten ihren Protest und ihre Empörung über
den Krieg. Anwesend waren auch der Landauer SPD-Bundestagsabgeordnete Heinz
Schmitt und Bürgermeister Hans-Dieter Schlimmer. Rita Kottner und eine
Schülerin aus ihrer Musikschule spielten auf der Querflöte. Sieben
Trommler(innen) begleiteten die Menschenkette.
Die angekündigte Stadtkapelle spielte nicht. Organisatorin Dr. Gertraud Migl
von der Friedensinitiative Südpfalz hatte am späten Freitagabend eine Absage
erhalten. Ein Vorstandsmitglied der Kapelle erklärte dazu, es habe vorher keine
definitive Zusage gegeben. Auf dem Lkw, von dessen Ladefläche herunter die
Statements abgegeben wurden, standen symbolisch drei Kreuze für die Kinder, für
die Frauen und Mütter sowie für die Männer, die Opfer dieses Krieges wurden
bzw. noch werden.
"Die Mehrheit der Welt will diesen Krieg nicht", sagte Sabine Lüdtke
von der Gruppe "Frauen wagen Frieden" und rief aus: "Schluss mit
dem Bomben und Töten". Der CBF wisse, welch vielfältiges Leid behinderte
Menschen zu erdulden hätten, meinte Vorsitzender Lutz Sommer. Tausende würden
durch diesen Krieg seelisch und körperlich behindert.
Wer für den Frieden aufstehe und bete, demonstriere dafür, "dass die Welt
nicht so bleibt, wie sie ist", erklärte Pfarrerin Gerlinde Wnuck-Schad von
der protestantischen Stiftskirchengemeinde. Sie stellte die Frage, warum nicht
mehr in die Friedensbildung investiert werde. Niemand dürfe sich damit
abfinden, dass die Diplomatie im Irak gescheitert sei, mahnte als Vertreter der
katholischen Kirche Diakon Hartwig Maas. Er fragte, warum die UN-Waffeninspekteure
nicht länger hätten arbeiten dürfen.
Nachdem Michael Bauer ein eigenes, nachdenklich stimmendes Gedicht vorgetragen
hatte, ergriff Ulrich Mohr für den BUND das Wort, sprach von einem
Angriffskrieg gegen das Völkerrecht. Mit diesem Krieg im Irak stehe die Welt an
einem Scheideweg. Die von den USA ins Auge gefasste neue Weltordnung wäre nach
seiner Ansicht ein "Abmarsch ins Neandertal".
Wenn er die Nachrichten
aus dem Irak höre, müsse er immer an die selbst erlebten Bombennächte im Zweiten
Weltkrieg denken, informierte Peter Sulzer. Dann kämen alle Erlebnisse von
damals in ihm wieder hoch.
Als Vertreterin des Weltladens las Angelika Bossung-Gauweiler ein
Friedensgedicht vor. Viele Menschen könnten dieses Leiden wie im Irak nicht
mehr ertragen und es bestehe die Furcht, dass die Angst vor Ort weiter
eskaliere. Zum Sinn dieser Demonstration merkte Rüdiger Lenk von der
Gewerkschaft Verdi an, es sei wichtiger denn je, für den Frieden und gegen
diesen Krieg einzutreten. Dem US-Präsidenten und seinen Helfern müsse klar
gemacht werden, dass sie diesen Krieg "am Völkerrecht vorbei" und
gegen die Menschlichkeit führten.
Es sei leider nicht gelungen, diesen Krieg zu verhindern, bedauerte Dr.
Gerlinde Schwarz von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Von den
Demonstrationen in Deutschland geht nach ihrer Darstellung ein positiver Effekt
aus:
Es zeige sich, dass viele junge Menschen keine Schlaffis seien, sondern
politische Überzeugungen hätten, die sie auch vertreten. Den Schlusspunkt
setzte Stefan Maas vom Arbeitskreis für ein gerechtes Miteinander. Er erinnerte
an Friedenskämpfer Martin Luther King, der am Freitag vor 35 Jahren ermordet
wurde und zitierte einige Texte aus dessen Feder zu Gewaltfreiheit und Krieg.
Selbst der überdimensionale Martin Luther (aus Bronze) auf dem Vorplatz der
Stiftskirche demonstrierte mit. Er "hielt" ein Plakat in Händen:
"No war - kein Krieg".
Quelle: RON - RHEINPFALZ ONLINE, Montag, 7. Apr , 03:45 Uhr
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz
oder senden Sie uns ein E-Mail: [email protected]
++ [HOME] ++ [AKTUELL] ++ [THEMEN] ++ [Artikel zu Globalisierung und Friedenspolitik] ++ [OBEN] ++