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27.01.03
Umweltverbände aus Karlsruhe gegen Rheinbrücke
KARLSRUHE/WÖRTH: Ablehnung
im Zuge des Protest gegen Nordtangente
Mehrere Karlsruher Umweltverbände haben ihren Protest gegen den geplanten
Einstieg in die sogenannte Nordtangente erneuert. Nach wie vor wird die Straße,
die vom Rhein kommend nördlich an Karlsruhe vorbei zur Autobahn führen soll,
als überflüssig betrachtet. Wie übrigens auch die von beiderseits des Rheins
geforderte zweite Rheinbrücke. Die überregionalen Verkehrsprobleme dürften
nicht mit Straßen mitten durch die Stadt gelöst werden, wurde betont.
Seit 1926, als seit 77 Jahren,
spricht man in Karlsruhe vom Bau einer Nordtangente, mit der der überregionale
Verkehr an der Stadt vorbei geleitet werden soll. 1979 schien der Baubeginn
nach Zustimmung des Gemeinderats greifbar nahe, doch eine Bürgerinitiative
legte binnen Wochen 38.000 Unterschriften gegen die Planung vor. Insbesondere
die geplante Durchschneidung des Hardtwalds wurde abgelehnt. 1982 einigte man
sich deshalb auf eine sogenannte Hängebauchvariante, die auf den
Hardtwalddurchstich verzichtete und statt dessen den Adenauerring am Stadion
vorbei nutzen sollte. Doch inzwischen war der Bund als Geldgeber ausgeschieden.
Seither lag die Planung in den Schubladen, bis vor wenigen Wochen die
SPD-Bundestagsabgeordnete Brigitte Wimmer neues Leben in die Sache brachte.
Wimmer erreichte in Verhandlungen, dass der Bund den Bau einer neuen
Autobahnausfahrt an der A 5 im Norden der Stadt beschleunigen würde, falls die
Stadt rund 4,5 Millionen Euro zu den Kosten beisteuern würde. Mit der Ausfahrt
soll das autobahnnahe Industriegebiet direkt ans Fernstraßennetz angeschlossen
und der Stadtteil Hagsfeld vom Verkehr entlastet werden. Für Umweltschützer,
Grüne sowie Karlsruher Liste ist zumindest der zweite Teilaspekt der Planung
eine Mogelpackung. Hagsfeld werde nicht vom Verkehr ent-, sondern mit neuem
belastet. Eine Entlastung würde man erst bekommen, wenn die Straße bis zur
Theodor-Heuss-Allee (die direkt zum Wildparkstadion führt) gebaut würde. Womit
die Kosten aber auf rund 125 Millionen Euro steigen würden. Derzeit sind von
Seiten des Bundes nur rund 30 Millionen eingeplant, der Rest der Baumaßnahme
würde sich deshalb - angesichts der allgemeinen Finanzknappheit - auf Jahre
hinaus verzögern.
Die Umweltverbände schlagen deshalb vor, auf den geplanten Autobahnanschluss zu
verzichten und statt dessen kleinere Maßnahmen durchzuführen. So soll das
Industriegebiet über eine neu zu bauende Straße östlich der Autobahn an die
Anschlussstelle Durlach angebunden werden - eine Planung, die die Stadt ohnehin
realisieren will. Zusätzlich wird eine Südumfahrung Hagsfelds gefordert, die
rund 15 Millionen Euro kosten würde, wovon die Stadt maximal 4,5 Millionen
selbst zu tragen hätte. Hardtwaldfreunde, Buzo Karlsruhe, Verkehrsclub
Deutschland sowie die Ratsfraktionen der Grünen und der Karlsruher Liste sehen
darin den ökonomisch wie ökologisch sinnvolleren Weg. Hagsfeld würde entlastet,
der von der Industrie geforderte Autobahnanschluss realisiert. Gleichzeitig
würde man den Einstieg in die Nordtangente samt geplanter zweiter Rheinbrücke
vermeiden.
Nachdem die großen Ratsfraktionen CDU und SPD sich für den neuen
Autobahnanschluss ausgesprochen haben, dürfte die Alternative jedoch kaum
Chancen haben. Als möglicher Baubeginn des Anschlusses wird bereits das
Frühjahr 2004 gehandelt. Die Umweltverbände wollen jedoch nicht klein beigeben
und haben unter anderem den Bundesrechnungshof angeschrieben, der die strittige
Mitfinanzierung durch die Stadt untersuchen soll. Auch der Gang vor das
Verwaltungsgericht wurde angekündigt.
Quelle: RON - RHEINPFALZ ONLINE, Montag, 27. Jan , 03:45 Uhr
Kontaktadresse: BUND Regionalbüro Pfalz
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